Dieselpest zählt zu den praxisrelevanten Schadensbildern an dieselbetriebenen Anlagen. Sie tritt vor allem bei langen Standzeiten auf. Betroffen sind die Schifffahrt und saisonal genutzte Fahrzeuge. In der Sportschifffahrt laufen Antriebe und Generatoren meist nur kurz. Oft bleibt der Kraftstoff über Jahre im Tank. Genau diese Bedingungen begünstigen das Schadensbild.
Was ist Dieselpest?
Der Begriff Dieselpest beschreibt eine mikrobiologische Kontamination des Kraftstoffsystems. Beteiligt sind Bakterien, Hefen und Pilze. Diese Organismen siedeln an der Grenzfläche zwischen Wasser und Kraftstoff. Der Diesel liefert ihnen dabei die Nährstoffe. Ihre Stoffwechselprodukte bilden Biofilme, Schleime und organische Säuren. Solche Ablagerungen schädigen Filter, Leitungen, Pumpen und Injektoren.
Wie der Befall entsteht
Die zentrale Voraussetzung für den Befall ist freies Wasser im System. Es gelangt durch Kondensation in den Tank. Auch undichte Tankdeckel und fehlerhafte Belüftungen sind Eintrittswege. Manchmal kommt das Wasser schon mit kontaminiertem Kraftstoff. Mehrere Faktoren begünstigen die Vermehrung zusätzlich:
- lange Standzeiten ohne Kraftstoffumschlag
- Temperaturen zwischen etwa 10 und 40 Grad Celsius
- große Tankvolumina mit hoher Luftfeuchtigkeit
- moderne Dieselkraftstoffe mit biogenem Anteil
Einfluss moderner Dieselqualitäten
FAME bildet die chemische Grundlage von Biodiesel nach EN 14214. In Europa wird es fossilem Diesel beigemischt. Handelsüblicher Diesel nach EN 590 enthält bis zu 7 Volumenprozent FAME. Diese Qualität trägt die Bezeichnung B7. Seit ihrer Einführung ist das Risiko für mikrobielles Wachstum gestiegen. FAME ist hygroskopisch, bindet also Wasser und liefert zusätzliche Nährstoffe.
Hinzu kommt die geringere Oxidationsstabilität von Biodiesel. Dadurch sinkt die Lagerfähigkeit des Kraftstoffs. Reiner paraffinischer Diesel wie HVO ist deutlich weniger anfällig. In der Sportschifffahrt steht er noch nicht flächendeckend zur Verfügung.
Dieselpest erkennen: Schadensbilder und Diagnose
Typische Anzeichen sind verstopfte Kraftstofffilter und dunkle Ablagerungen. Hinzu kommen Leistungsverlust, Startprobleme und Korrosion an metallischen Bauteilen. In Filtern mit Schauglas zeigen sich schleimige Fäden oder Wolken. Diese Befunde lassen sich oft mit bloßem Auge erkennen. Eine sichere Diagnose liefern Tankinspektion, Filteranalyse und mikrobiologische Kraftstofftests. Solche Tests bestimmen Wassergehalt und Keimbelastung zugleich.
Ein unabhängiger Sachverständiger ordnet diese Befunde fachlich ein. Im Bootsgutachten werden Schadensumfang und mutmaßliche Ursache dokumentiert. Auch der Zustand betroffener Bauteile wird dabei erfasst. Diese Dokumentation schafft eine klare Grundlage für weitere Entscheidungen.
Dieselpest bekämpfen: Gegenmaßnahmen nach Befallsgrad
Die geeignete Maßnahme richtet sich nach der Intensität des Befalls. Drei Stufen lassen sich unterscheiden:
- Frühstadium: Tankentwässerung, Filterwechsel und Kraftstoffaufbereitung. Ergänzend wird ein zugelassenes Biozid dosiert. Danach ist ein hoher Kraftstoffumschlag erforderlich.
- Fortgeschrittener Befall: mechanische Tankreinigung und Austausch aller Filterelemente. Die Leitungen werden gespült und mit Frischdiesel behandelt. Injektions- und Pumpenkomponenten gehören auf den Prüfstand.
- Schwerer Befall mit Materialschäden: vollständige Dekontamination und professionelle Tankrevision. Kontaminierte Bauteile müssen unter Umständen getauscht werden. Der wirtschaftliche Schaden ist hier oft erheblich.
Dieselpest vorbeugen
Wirksame Vorbeugung beginnt bei der konsequenten Vermeidung von Wasser. Ein regelmäßiger Kraftstoffumschlag hält den Tankinhalt in Bewegung. Saubere Betankung und Wasserabscheider senken das Risiko weiter. Bei langer Lagerung helfen stabilisierte oder paraffinische Kraftstoffe. Regelmäßige Sicht- und Filterkontrollen runden die Vorsorge ab.
Zunehmend kommt moderne Mikrofiltration in der Sportschifffahrt zum Einsatz. In der Berufsschifffahrt ist sie seit Jahrzehnten bewährt. Bei rechtzeitigem Einsatz senkt sie den Bedarf an Bioziden und Fungiziden. Diese Mittel bergen ein bekanntes Gefahren- und Umweltrisiko. Die Mikrofilter eignen sich für mobile Reinigung und stationären Dauerbetrieb.
Fazit
Dieselpest entsteht aus klar definierten physikalischen und biologischen Prozessen. Vorbeugung, frühe Diagnose und abgestufte Maßnahmen halten den Schaden klein. So lassen sich Funktionsstörungen, Folgeschäden und hohe Instandsetzungskosten vermeiden.
Die Rolle des Sachverständigen
Bei einem Verdacht auf Dieselpest schafft ein unabhängiges Gutachten Klarheit. Ein Sachverständiger prüft Tank, Kraftstoff und betroffene Bauteile. Er dokumentiert Ursache, Umfang und Folgekosten im Bootsgutachten. Das Gutachten für das Boot dient als Grundlage gegenüber Versicherern und Werkstätten. So lässt sich der Schaden objektiv bewerten und belegen.
Wir danken Marcel Fuchs für diesen fundierten Fachbeitrag. Als Sachverständiger und Mitglied des VUSS verbindet er technisches Wissen mit langjähriger Praxis. Seine Schwerpunkte liegen bei Fach- und Privatgutachten sowie der Kaufberatung. Der Verband freut sich auf weitere Beiträge aus seiner Arbeit.
Wer für das eigene Boot ein unabhängiges Gutachten benötigt, kann sich an den VUSS wenden. Qualifizierte Sachverständige beantworten Fragen zu Zustand, Wert und Sicherheit. Ein Gutachten zum Boot lässt sich unkompliziert über die Seite Gutachten anfragen beauftragen.




